Bilder wie ein Traum und geträumte Bilder

August 2004

Um es auf den Punkt zu bringen: Die neue Ausstellung von Hans-Jürgen Schmejkal im Glashaus ist eine Liebeserklärung. Schon der Titel „Juwel des Herzens“ gibt die Richtung an. Und wenn dann fast alle Bilder dieser Ausstellung dieselbe Frau, Steffi Munzel, darstellen, dann muss es sich um Gefühle des Herzens handeln. Dennoch geht es bei dieser Ausstellung nicht um eine private Liebeserklärung, für die sich der Künstler das Glashaus ausgesucht hat, sondern sie ist eine Liebeserklärung an eine innere Haltung und an die Malerei.

Ausgangspunkt dieser inneren Haltung sind die „Madonnenbilder“, ein immer wiederkehrendes Thema in der Malerei von Hans-Jürgen Schmejkal. In dieser Ausstellung hängen zwei: „männlich still“ und „weiblich still“ – zwei sehr weiblich wirkende Figuren in stilisierter Form mit einer dicken schwarzen Pinselkontur und durch sie hindurch laufender Farbe. Die Augen sind geschlossen, der Blick geht nach innen und von ihnen strahlt Harmonie und Wachsamkeit aus – wie Buddha in seinen besten Zeiten. Alle anderen Bilder unterscheiden sich ganz deutlich von diesem Ideal: Sie zeigen eine reale Person, wieder erkennbar immer die gleiche: eine junge Frau, gelassen, entspannt schmunzelnd und die Arme weit von sich gestreckt. Auch sie hat auf allen Bildern die Augen geschlossen, nur auf einem kleinen Portrait in der Mitte der Ausstellung schauen zwei Augen auf den Betrachter zurück.

Wenn man die Frauenbilder von Hans-Jürgen Schmejkal kennt, überrascht in dieser Ausstellung die zurückgehaltene Körperlichkeit. Da posiert keine nackte Frau, vielmehr zeigen alle Bilder nur den Kopf und den meist bedeckten weiblichen Oberkörper. Dennoch sind diese Bilder voller Verführung und Sinnlichkeit. Das Bild „innenfreund“ zeigt nur das Gesicht mit nackter Schulter. Die Gesichtsfarbe setzt sich aus orangen, violetten, grünen und gelben Tönen zusammen und darüber die roten Lippen. Die bunten Haare verhalten sich wie wild wuchernde Pflanzen und stehen mit ihrer Lebendigkeit im Kontrast zu der milden Ruhe des Gesichts.

Die Malweise bei allen Bildern ist flächig, der Vorder- und der Hintergrund verschmelzen zu einer Einheit voll von Gefühlen. Als Utensilien sind neben der Frau Blumen, Tücher und Perlen zu sehen, die eine fast orientalische Pracht entfalten. Hier verliert sich die Perspektive und es entsteht der Eindruck eines üppigen Teppichs. Die Bilder sind wie ein Traum oder die dargestellte Frau träumt diese Bilder. Sie sind der Realität enthoben, sie gehen in eine innere Welt und sind sehr intim, ohne verletzend zu sein.

Den Abschluss der Ausstellung bildet das einzige Bild, auf dem zwei Personen zu sehen sind: Der Maler und sein Modell. Eine Einheit von innerer Ruhe und Gelassenheit. Keine körperliche Einheit zwischen Mann und Frau, sondern eine Seelenverwandtschaft mit geschlossenen Augen. Der Blick geht in die Tiefe, in die Tiefe von heiterer Gelassenheit und fröhlichem Beisammensein.

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