Der Künstler für alle Zeiten

Juni 2002

Der „Politiker für alle Zeiten“ ist ein grünes Fischmännchen mit Schuppen und Zepter. Zu sehen ist er zurzeit im Glashaus, in der Ausstellung des Hildesheimer Künstlers Janko Mihailovic. In einem Kommentar des Malers zu seinem Bild heißt es kritisch: „Politiker für alle Zeiten: Die Wärme der Sonne ist nur für ihn da. Der Schild hält jeden persönlichen Kontakt fern. Der Panzer in Form von Fischschuppen erinnert an die Leichtigkeit des Durchkommens in seinen eigenen Gesetzen. Das Zepter symbolisiert seine Macht. Wo ist hier die Gerechtigkeit?“

Das Gegenbild dazu sucht man in der Ausstellung vergeblich. Das Gegenbild dazu ist aber auch kein Gemälde, sondern der Künstler selbst. Janko Mihailovic ist ein Prototyp von Künstler, er ist ein Künstler wie er im Buche steht. „Der Künstler für alle Zeiten: Die Leinwand und die Farben sind nur für ihn da. Mit dem Bild stellt er den persönlichen Kontakt zum Publikum her. Er trägt keinen Panzer und macht sich verletzlich. Er gehorcht nur seinen eigenen Gesetzen. Der Pinsel symbolisiert seine Freude. Auch er kann nicht für Gerechtigkeit sorgen.“

So ungefähr müsste der Kommentar zu dem Selbstbildnis lauten. Janko Mihailovic bringt seinen ganz eigenen Kosmos in Bilderwelten. Seine „Kosmischen Impulse“ sind keine weltfremden abstrakten Gebilde, ganz im Gegenteil. Dieser Bilderzyklus nimmt konkret Stellung zu politischen und gesellschaftlichen Themen. Es wird ganz deutlich. Janko Mihailovic hat unter den „Politikern für alle Zeiten“ gelitten. Er ist in Belgrad unter der Regierung von Tito aufgewachsen und war selbst zwei Mal im Gefängnis. Die Verarbeitung von Leid, Unrecht aber auch von Glück und Erfüllung findet bei dem „Künstler für alle Zeiten“ in der Kunst statt. Dem realen Leben wird eine Kunstwelt gegenüber gestellt. Hier herrschen eigene Gesetze von Farbigkeit, Schönheit und Gerechtigkeit.

Das Spannende und Schöne dabei ist aber, dass diese Botschaft über das Bild nicht so eindeutig vermittelt wird. Der Künstler hat für jedes Element im Bild eine feste Bedeutung. Der Betrachter sieht zunächst gar keinen Politiker, sondern vielleicht nur einen lustigen Fisch. Was sich aber vermittelt ist die Intensität des Bildes. Die Stärke der Vision des Künstlers springt auf den Zuschauer über. Er fühlt sich von dem Bild angesprochen, angesprungen und aufgefordert zu verweilen. Und wer verweilt, der gerät in Kontakt. In Kontakt mit dem Kosmos von Janko Mihailovic, der seine Bilder, seine Philosophie und seine Erfahrungen auch gerne lange und ausführlich erklärt.