Vom Träumer, Krieger und Gärtner
September 2004
Auf die Frage „Was ist ein Mann?“ gibt schon Herbert Grönemeyer die unterschiedlichsten Antworten. Wenn also sieben bildende Künstler gefragt werden, Arbeiten zum Thema „Mann“ einzureichen, dann ist schon vorher klar, dass es keine eindeutige Antwort geben wird, sondern eine Vielzahl von Männerbildern. Doch wie sieht dieses vielfältige Männerbild aus? Genau das beantwortet die Ausstellung „Mann oh Mann!“ im Derneburger Glashaus.
Eindeutige Männlichkeit ist nicht auf allen Bildern sofort zu erkennen. Zwei von den sieben Künstlern bevorzugen poetische Traumbilder auf denen sie den Archetypen des Magiers in den Mittelpunkt stellen. Michael Schwach aus Hannover zeigt die die magische Verbundenheit zwischen Mann und Tier, das sich sanft in den Rücken des „nach innen schauenden“ Mannes schmiegt. Hier geht es friedlich und geheimnisvoll zu, ebenso wie bei dem Mann, der einen Traumhut mit Vögeln auf dem Kopf durch die Gegend trägt. Micha Kloth aus Lamspringe schafft einem neuen Archetyp des Mannes, nämlich den Gärtner. In dem Bild „Traum des Gärtners“ fallen lila Rosen von oben auf die von unten wachsenden Rosen. Ein blauer Mann mit einem großen wachen Auge verfolgt mit entspannter Aufmerksamkeit das selbständige Wachsen und Gedeihen der Natur.
Ganz anders geht es da in der schwarzen Ecke von Christoph Schulz-Mons aus Hildesheim zu. Ein großformatiges Bild zeigt den „Krieger“, ein Bild, das wir es in der Kriegsberichtserstattung schon oft gesehen haben. Vor dem Mann mit Maschinengewehr steht eine verzweifelte Frau, die den Soldat mit ausgebreiteten Armen anfleht, dem grausamen Treiben ein Ende zu bereiten. Durch die reine Schwarz-Weiß Malerei steigert Schulz-Mons den Eindruck von Gewalt und Chaos ins fast Unerträgliche. Allein ein gelb-grüner Blumenstrauß neben der Frau gibt Hoffnung, dass der Krieg nicht alles töten kann. Elmar Busche aus Hildesheim stellt ganz andere männliche Haltungen vor. Das Gemälde „keine Worte…“ zeigt vier nackte stumme Gestalten, die zwar in engem Körperkontakt stehen, aber mit ihren geschlossenen Mündern recht hilflos in die Gegend schauen. Der eine trägt eine Puppe im Arm, eine Erinnerung an eine Kindheit aus der er noch nicht entwachsen zu sein scheint. Auf dem anderen Bild liest ein Vater seinem Kind ein Buch vor, aus dem ein Vogel entsteigt. Sinnbild für eine sorgende und innige Vater-Kind Beziehung.
Ein großer Stier tummelt sich auf dem Bild von Zaki Al-Maboren aus Kassel. Der Stier schaut freundlich und mit kleiner roter Zunge auf einen kleinen schwarzen Frosch. Hier fasziniert der Kontrast zwischen der rohen Kraft des Stierkörpers und seiner friedlichen humorvollen Haltung. Paul König aus Hildesheim zeigt Karikaturen von Männlichkeit, farbig schön in Szene gesetzt. Der „Würdenträger“ ist ein aufgeblasener Kopf mit kleinem gespitzten Mund und eng beieinander liegenden Augen. Der „Stolze Hahn“ bedeckt mit seinen gepolsterten Schultern fast das ganze Bild, dazwischen klemmt ein verzerrter lang gezogener Kopf mit rotem Hahnenkamm. Die Erwartung an reine Männlichkeit erfüllt schließlich Hans-Jürgen Schmejkal aus Holle. Er zeigt das Bild „Penismann“, ein kleines rotes Teufelchen mit hoch aufgerichtetem Glied und weit ausgebreiteten Armen. Der kleine Kerl mit riesigem Schwanz scheint „Buh!“ zu rufen, um uns zu erschrecken, wirkt dabei aber eher lächerlich. Die Transformation männlicher Kraft in Kreativität zeigt sein Bild „malend“, ein wilder Pferdemensch, der in seinen Händen Palette und Pinsel hält. (bal)
Die Ausstellung „Mann oh Mann!“ findet im Rahmen des Männermonats im Glashaus statt.


