Zwischen Himmel und Erde

Juni 2005

Das Derneburger Glashaus besteht fast nur aus Fenstern und ist im Juni noch um einige Ausblicke reicher geworden: Die Bilder des russischen Malers Sergej Tihomirov wirken wie Fensterbilder aus Kathedralen, farbenprächtig, leuchtend und nicht von dieser Welt.

Für die Unterteilung der Farbflächen nimmt der Maler Schnüre, die in geschwungenen Bahnen auf die Leinwand geklebt sind. Aus den Flächen bildet sich ein Mosaik von Farbverläufen mit einer spannenden Hell-Dunkel-Verteilung. Mit dieser Malerei stellt sich Sergej Tihomirov in der Tradition der russischen Moderne, vertreten durch Wassily Kandinsky, der nicht weniger versuchte, als den Kosmos in seinen Bildern wiederzugeben. Sergej Tihomirov ist ein religiöser Künstler, der mit seinen Bildern eine Einheit schaffen und Himmel und Erde miteinander verbinden will. Seine Farbpigmente vermischt er mit Zement um ihnen die irdische Schwere zu geben und darüber leuchtet das Gold, das in allen Zeiten der Malerei für das Göttliche gestanden hat. Als Verbindung und Symbol taucht in seinen Bildern immer wieder die Leiter auf. Die „Himmelsleiter“ verbindet auf vielen Bildern oben und unten miteinander. Ein weiteres Symbol ist der Schlüssel als Zugang zum Glück. Mal ist es der „Goldene Schlüssel“, dann aber auch der „Verlorene Schlüssel“, der im Gras liegt.

Vordergründig, sowohl bildlich als auch inhaltlich, ist Sergej Tihomirov auch ein realistischer Maler. Oft tummeln sich genau gemalte Naturstudien mit Blumen und Gräsern im Vordergrund des Bildes. Darüber erhebt sich dann aber die unendliche Fläche der Farben. Auf einigen Bildern tanzen menschliche Figuren, ebenfalls aus langen Schnüren zusammengesetzt. Sie sind fast schwerelos und bewältigen wie der „Lebenskünstler“ mit Leichtigkeit den Spagat zwischen der realen Welt und dem göttliche Glanz.