Ist das noch ein Spiel?
Februar 2019
„Fragen wir doch mal die Kinder!“, sagte sich die Malerin Gabriela Rudolph aus Berlin und aus ihren Antworten entstanden ihre Portraits von wütenden Gesichtern kleiner Leute. Im Glashaus in Derneburg zeigt Gabriela Rudolph die Reaktionen von Charly, Milan, Lennie, Pauline, Rosa und vielen anderen jungen Menschen. Doch was war ihre Frage?
Greta Thunberg aus Schweden stellt die Frage jeden Freitag vor dem Parlament in Stockholm und schwänzt die Schule. Und inzwischen tausende von Schülern in der ganzen Welt. Greta und andere Kinder demonstrieren im Rahmen ihrer Protestaktion „Schulstreik fürs Klima“ für einen radikalen Wandel in der Klimapolitik. Gabriela Rudolph hat die Kinder auf ihren Bildern gefragt, was sie davon halten, dass unsere Erde von Müll und Plastik verseucht wird und ihre Reaktionen im Bild fest gehalten.
Die Portraits zeigen eine ganze Palette unterschiedlicher Gefühle: Sie sind Ausdruck von Trauer, Ärger, Frust, Wut und Empörung. Zähne werden gefletscht und Zornesfalten durchziehen einige Gesichter. Die Kinder offenbaren sich wütend hilflos und schauen den Betrachter mit großen Augen direkt an. Die Gesichter sind in aufwendiger Lasurtechnik gemalt und wirken durch viele Farbschichten frisch und lebendig.
Neben der politischen Haltung ist Gariela Rudolph vor allem Malerin, die genau hinschaut und die Farbe liebt. Kinder sind in ihren Augen nicht nur schön, wenn sie den Erwartungen der Erwachsenen entsprechen. Die Schönheit der Kinder ist ihre Lebendigkeit, ihre Ehrlichkeit und der direkte Ausdruck ihrer Gefühle. Kinder strahlen nicht nur, sie heulen auch Rotz und Wasser und wenn aus der Nase von Milan ein großer Schodder läuft, dann verwandelt er sich auf dem Bild in ein goldenes Schmuckstück.
Gabriela Rudolph konfrontiert den Betrachter in schöner Malerei mit gesellschaftlich schwierigen Themen. Unseren Umgang mit Müll und seine sozialen Folgen zeigt sie in einer streng komponierten Serie „Das Spiel“. Ein vertikaler Strich teilt einen horizontalen Strand. Rechts und links bewegen sich Menschen zu einem Spiel, das an Volleyball erinnert. Der Himmel schimmert in hellen Farben, der Strand ist gleißend hell und die Spieler nackt bis auf die Badehose. Erst auf den zweiten Blick erkennt man eine dunkelhäutige Mannschaft auf der einen und eine weiße Mannschaft auf der anderen Seite des Spielfeldes. Der leuchtend rote Ball ist eine Plastiktüte, die in das Feld des Gegners geschlagen werden soll. Um was wird hier gespielt? Ist das wirklich noch ein Spiel und wissen die Mannschaften überhaupt, was sie wirklich spielen?
Das große Bild „So ein Müll“ greift das Thema noch einmal radikaler auf. Hier steht überlebensgroß am Spielfeldrand ein kleiner Junge in aufmerksam ärgerliche Haltung. Er schaut auf das Spiel, in dem der schwarze Mann geschlagen auf dem Boden liegt. Die Plastiktüte ist in seinem Feld gelandet und er hat mehr als nur ein Spiel verloren.
Die politische Botschaft kommt in den Bildern von Gabriela Rudolph nicht plakativ, sondern zart zurückhaltend in einer wunderschönen Malerei daher. So entsteht eine eigentümliche Spannung, die uns mit Liebe und Mitgefühl die Augen öffnen will.



